GASTROENTEROLOGISCHE GEMEINSCHAFTSPRAXIS
Dr. med. D.APEL & A. von BUBNOFF

Interdisziplinäres Tumorboard
Um Patienten mit bösartigen Erkrankungen (Tumore des Verdauungstraktes, der Lungen und des Mediastinums, der Nieren usw.), die entweder in unserer Praxis oder im Krankenhaus Hochstift behandelt bzw. auch in anderen Wormser Praxen diagnostiziert werden, noch umfassender behandeln zu können, wurde im Februar 2009 eine interdisziplinäre Expertenrunde, das sog. Tumorboard eingerichtet.
Jeden zweiten Montag von 18:30 - 19:30 Uhr erörtern hier die Spezialisten der einzelnen Fachabteilungen (Gastroenterologie, Onkologie, Chirurgie, Radiologie und Strahlentherapie) unterschiedliche Fälle bösartiger Erkrankungen. Die Vertreter der jeweiligen Abteilungen stellen ihre Befunde unter der Moderation des Chefarztes für Chirurgie Dr. Zittel vor und besprechen diese interdisziplinär mit Experten aus den anderen Fachgebieten.
Gemeinsam erstellt das Experten-Team für jeden Patienten ein individuelles Handlungskonzept, das sowohl die weitere notwendige Diagnostik als auch das chirurgische oder onkologische Vorgehen beinhaltet. Die Ergebnisse der Konferenzen werden schriftlich festgehalten. So sichert das interdisziplinäre Experten-Team unseren Patienten mit bösartigen Erkrankungen eine optimale Betreuung mit jeweils aktuellster individuell ausgerichteter Therapie.
Gerne
können auch Patienten von anderen niedergelassenen Haus- oder Fachärzten
vorgestellt werden. Hierzu bitten wir jedoch um eine kurze Anmeldung im Sekretariat
von Dr.Zittel (Ansprechpartner Frau Fiedler, Tel.: 06241856810).
Aktuelles aus Medizin
Darmkrebsvorstufen schon ab 40
Die vorsorgliche Darmspiegelung kann jeder gesetzlich Versicherte ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre als effektives Mittel zur Vermeidung von Darmkrebs in Anspruch nehmen. Inzwischen weiß man jedoch: Das Erkrankungsrisiko ist im Alter zwischen 40 und 49 Jahren genauso hoch wie zwischen 50 und 59 Jahren.
Eine aktuelle Studie, die jetzt im Fachjournal der amerikanischen Gesellschaft für Gastroenterologie veröffentlicht worden ist, hat gezeigt, dass Krebsvorstufen im Darm bei 40- bis 49-Jährigen mit durchschnittlichem Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, genauso häufig vorkommen wie bei 50- bis 59-Jährigen.
"Das Kriterium für die Empfehlung einer Vorsorge-Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr ist die starke Zunahme der Krebsfälle in dieser Altersgruppe", erklärt Dr. Elmar Zehnter vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng). "Aber Darmkrebs entwickelt sich langsam und es kann zehn Jahre dauern, bis sich die Krebsvorstufen zu Tumoren entwickelt haben. Der Befund der amerikanischen Forscher ist deshalb plausibel."
In der Studie waren die Untersuchungsergebnisse von 553 Patienten zwischen 40 und 49 Jahren mit denen von 352 Patienten zwischen 50 und 59 Jahren verglichen worden. In beiden Gruppen wurden in rund 15 Prozent der Fälle ein oder mehrere Krebsvorstufen gefunden. "Unsere Ergebnisse stützen die Vorstellung, dass Adenome, die später zu Krebs führen können, bereits in einer jüngeren Altersgruppe entstehen, als wir heute screenen", kommentierte Studienleiter Dr. Alfred I. Neugut vom Columbia University Medical Center in New York.
Die Barrett-Schleimhaut in der Speiseröhre ist häufig bei Männern und Frauen nach dem 65. Lebensjahr zu beobachten, die unabhängig von Sodbrennen (oder anderen Refluxsymptomen), einer Dickdarmspiegelung unterzogen wurden.
Obwohl die Barrett-Schleimhaut ein Vorläuferstadium des Speiseröhren-Karzinoms darstellt, werden die meisten Patienten mit dem Speiseröhrenkrebs ausserhalb von Barrett-Speiseröhre Screening-Programmen diagnostiziert. Dies könnte daran liegen, dass Patienten mit Refluxkrankheit der Speiseröhre (dementsprechend auch Barrett-Speiseröhre) auch ohne typische Refluxsymptome undiagnostiziert bleiben. Die Barrett-Schleimhaut der Speiseröhre wurde in einer aktuellen US-amerikanischen Studie bei 20% der symtomatischen und bei 15% der asymptomatischen Patienten mittels der Magenspiegelung diagnostiziert. Diese Patienten wurden ursprünglich nur zu einer Dickdarmspiegelung in die gastroenterologische Praxis zugewiesen. Danach hat man den Patienten zusätzlich die Durchführung einer Magenspiegelung angeboten.
Ward EM, Wolfsen HC, Achem SR, Loeb DS, Krishna M, Hemminger LL, DeVault KR.Barrett´s esophagus is common in older men and women undergoing screening colonoscopy regardless of reflux symptoms.American Journal of Gastroenterology. 2006; 101; 12-17
Wer
soll sich koloskopieren lassen?
Nur
etwa 3 % der Bevölkerung, die Anspruch auf Darmkrebsfrüherkennung
haben, nehmen zur Zeit teil an der gesetzlich geregelten Koloskopie.
Anspruch auf Früherkennung des kolorektalen Karzinoms haben alle ab dem
55. Lebensjahr. Polnische Autoren zeigten anhand von Daten von 50.148 Personen
auf, wie viele Personen in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und familiärer
Belastung einmalig koloskopiert werden müssen, um ein
kolorektales Karzinom zu entdecken. Für die Altersklasse 40 bis 49 sind
dies bei Männern 30, bei Frauen 32; in der Gruppe der 50- bis
54-Jährigen sind es 18 beziehungsweise 31, in der Altersgruppe 55 bis
59 sind es 12 beziehungsweise 23 und für die zwischen 60 bis 66 Jahre
sind es 10 beziehungsweise 19. Voraussetzung für alle war, dass keine
familiäre Belastung vorliegt. Lässt sich anamnestisch eine familiäre
Belastung nachweisen, liegen die Zahlen deutlich niedriger, nämlich für
Männer zwischen 40 und 49 bei 20, zwischen 50 und 54 bei 13, zwischen
55 und 59 bei 8 und zwischen 60 und 66 bei 6. Die entsprechenden Zahlen für
Frauen betrugen 32, 20, 18 und 16 je nach Altersgruppe.
Die Wahrscheinlichkeit eines Kolonmalignoms steigt somit mit dem Alter
um etwa das Dreifache, mit positiver Familienanamnese und bei männlichen
Patienten jeweils um das Zweifache.
Mit diesen Zahlen können vielleicht Patienten direkt über die Wahrscheinlichkeit, mit der bei ihnen ein Karzinom entdeckt wird, informiert und zur Vorsorgekoloskopie motiviert werden. Ob durch die Vorsorgekoloskopie die Prognose des kolorektalen Karzinoms in Deutschland nachhaltig verbessert werden kann, lässt sich erst in 5 bis 10 Jahren eindeutig beurteilen.
Regula J et al.: Colonoscopy in colorectal cancer screening for detection of advanced neoplasia. N Engl J Med 2006; 355: 1863–72.
VERANSTALTUNGEN